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 Wir sind anders. Schlechter.

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Vampirmädchen
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BeitragThema: Wir sind anders. Schlechter.   Mo Feb 06, 2012 9:55 am

Seit dem ich denken kann, sitze ich in diesem verfluchten Heim. Sie versuchen mich zu verheimlichen. Versuchen uns alle zu verheimlichen. Aber sie schaffen es nicht. Doch sie halten uns hier fest. Nur weil wir nicht perfekt sind. Alle sind perfekt nur wir nicht. Wir sind schlechter. Wir haben Fehler. Aber..Fangen wir von vorn an.

Vergangenheit

Mein Name ist Linn. Ich war 13 Jahre alt. Sehr reif für mein Alter und auch schlau. Man könnte meinen, wenn man mich sah, ich sei perfekt, doch das war ich nicht. Ich kann nicht reden. Nicht, das man mir es nicht beibringen wollte. Ich kann es einfach nicht.
Nun saß ich hier. In einem Heim, für Menschen mit Fehlern. Jeder hier hatte Fehler. Sie wollten uns, da draußen, nicht haben.
Freunde kannte ich kaum. Ich saß meißt allein auf einer Bank, in dem Garten. Denn kaum einer kannte meine Sprache. Nur ein Mädchen unterhielt sich oft mit mir. Das heißt, sie redete und ich hörte ihr zu. Sie hatte eine schöne Stimme. Und wenn sie mich etwas fragte, antwortete ich mit meinen Händen. Dann lächelte sie immer.
Sie sagte, ich sollte mich mehr unter die Leute mischen, doch ich schüttelte nur den Kopf. Ich hörte plötzlich ein Knistern. Doch bevor ich mich fragte, was das sei, bemerkte ich die Durchsage. “Es ist Zeit zum Essen.”, sagte die unbekannte, weibliche Stimme. Ich stand auf und ging hinein. Meine Freundin folgte mir. Sie heißt, übrigens, Lillith. Sie hatte mir erzählt, dass man sie von Geburt an gehasst hat. Sie hatte einen sichtbaren Fehler. Sie hatte Knochenansätze am Rücken. Wir glaubten alle, dass es Flügel darstellen sollte. Nun saß ich mit ihr am Tisch. Sie erzählte die ganze Zeit. Ich hörte ihr gern zu.
Nach dem Essen ging ich wieder hinaus. Als ich mich setzte, spürte ich wieder Blicke. Sie waren nicht von den anderen. Sie gehörten einem Jungen, der mir jedes Mal auffiel, als er unter dem Baum stand. Er stand nur da. Regungslos. Im Schatten. Er machte mir manchmal Angst. Doch heute sah er mich freundlich an. Ich erkannte nur seine Augen. Aber ich konnte mir vorstellen, wie er aussah.
Egal wie oft ich diesen Gedanken verdrängte, er kam immer wieder: ‘Irgendetwas will er von mir.’ Andere bemerkten es nie, doch ich sah, wie er sich bewegte. Manchmal schien er traurig zu sein. Dann wiegte er sich hin und her. Mir gefiel dabei sein Rhythmus.
Am Abend, als alle schon drinnen waren, blieb ich noch draußen. Doch ich war nie allein. Er blieb immer, bis ich hinein ging und war da, bevor ich hinaus kam. Es war, als wollte er mich beschützen. Ich sah in seine Richtung und, merkte wie er seinen Blick von mir wendete. Ich lächelte leicht und stand dann auf. Er sah wieder zu mir. Als ich nun hinein ging, sah er mir nach. Ich ging in mein Zimmer und legte mich schlafen.
Als ich aufwachte, erschrak ich so sehr, dass ich mit dem Kopf an die Bettkante stieß. ‘Au! Was soll das?’, schoss es mir durch den Kopf. Am liebsten hätte ich es laut geschrien, doch es ging ja nicht. Noch bevor ich erneut die Augen öffnete, spürte ich eine Hand auf meiner Stirn. “Tut es sehr weh?”, fragte eine besorgte, dunklere Stimme. Ehe ich nicken konnte, sprach die Stimme weiter: “Das tut mir leid. Ich wollte es nicht.” Ich öffnete langsam meine Augen und was ich sah, ließ mich sofort rot werden. Diese Augen. Es konnte nur der Junge gewesen sein. Er lächelte sanft. “Du brauchst nicht rot werden.” Er strich mir über die Wange. Ich sah, wie hypnotisiert, in seine Augen. Ich nahm nichts anderes war. Auch die morgendliche Durchsage bekam ich nicht mit.
Er nahm nun seine Hand von mir. “Ich heiße Tom.”, sagte er, bevor er eilig aus dem Zimmer rannte. Ich lag Minuten im Bett, ehe ich merkte, dass ich mich beeilen musste. Innerhalb 10 Minuten war ich im Speisesaal. Ich sah mich um, doch er war nirgends zu finden. Etwas niedergeschlagen, begann ich zu essen.
Die nächsten Tage war er spurlos verschwunden. Ich saß jeden Tag auf meiner Bank und starrte auf den Schatten, unter dem Baum. Doch da war nichts. “Linn? Was ist los? Wen suchst du?” Ich erschrak. Lillith hatte seit Stunden versucht mit mir zu reden. Ich entschuldigte mich und ging in mein Zimmer. Dort schlief ich schnell ein.
Ein Traum ließ mich aufschrecken. ‘War etwas mit ihm passiert?’, fragte ich mich. Ich hatte nur geträumt. Hoffte ich. Ich fühlte mich plötzlich so schrecklich allein. Wo war er nur? Ich war so hilflos und einsam. Ich glaubte, ich vermisste ihn. Schlurfend ging ich durch die Flure, hinaus zum Garten. Dort setzte ich mich an seinen Platz und begann, mich hin und her zu wiegen. Es war so dunkel. Ich sah meine eigene Hand vor Augen nicht mehr. Ich weiß nicht, wie lange ich noch da saß, aber ich schlief ein.
Ich wachte auf. Es ist so warm und weich. Moment! Ich lag in meinem Bett. Aber ich bin doch draußen eingeschlafen. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und bemerkte, dass Tom neben mir lag. Ich sah ihn an und lächelte leicht. Er hatte mich rein gebracht und er lag noch hier. Ich drehte mich in seine Richtung und genoss seine Anwesenheit. Es dauerte Stunden, bis er aufwachte. Ich sah ihn weiter an und dieses Mal wurde er leicht rot. ‘Wenn ich doch nur mit ihm reden könnte.’, fluchte ich in Gedanken. Er sah mich an und strich mir wieder über die Wange. Ich schloss die Augen und genoss es.
Nach ein paar weiteren Stunden, kannte ich den Grund, weshalb er nur da stand und mich beobachtete, meine Gespräche mit Lillith belauschte und mich studierte. Er wollte meine Sprache lernen, mich kennen lernen. “Nur das mit deiner Sprache war nicht so einfach.”, sagte er lachend. “Deine Freundin wiederholte ja kaum, was du ihr gezeigt hast.” Ich wollte mitlachen, doch es kam nichts aus meinem Mund. Ich war plötzlich wieder betrübt und sah an die Decke. Er sah mich an und schwieg.

Gegenwart

Nun bin ich 78 Jahre alt. Tom ist schon gestorben. Meine Tochter haben sie mir vor Jahrzehnten genommen. Ich weiß, dass sie getötet wurden ist. Eine Sache macht mir immer noch zu schaffen: Ich weiß Tom´s Fehler nicht. Er hat es mir nie verraten. Wie sehr wünsche ich mir, dass die beiden wieder zu mir kommen.
Lillith führte ein sehr glücklichen Leben. Man hat eine Möglichkeit gefunden, ihr die Flügelansätze zu entfernen. Sie führt nun ein Leben in der perfekten Welt. Ich freue mich für sie. Sie hat es verdient.

Ich merke wie es langsam mit mir zu Ende geht. Noch ein letztes Mal räume ich mein altes Zimmer auf. Ach. Wie viel hat es schon mit mir durchgemacht. Ich setzte mich gerade hin, als ich ein Leuchten aus der Ecke bemerke. Ich gehe in die Ecke und was ich da sehe, raubt mir den Atem. Es ist anscheinend ein Brief um den ein Ring geschoben ist. Langsam nehme ich den Ring und öffne den Brief. Ich fange an zu lesen.
"Liebste Linn, ich freue mich, wenn ich an unsere lange, glückliche und gemeinsame Zeit zurück denke. Ich wünschte, ich hätte dir noch mehr erzählen können. Ich hatte es mir fest vorgenommen, doch ich merke ich kann es nicht mehr. Ich weiß, dass du dich immer fragtest, warum ich in diesem Heim war. Eigentlich gab es dafür keinen richtigen Grund. Ich war von Geburt an wie die anderen. Ich konnte reden, sehen, laufen und alles, wie es auch die Anderen konnten. Doch ich machte den Menschen Angst. Mit meinem Blick jagte ich ihnen Angst ein. Man nannte mich einen Teufel. Ich fand keine Freunde und meine Eltern steckten mich in die Hölle. Zumindest war es das für mich, bis ich dich traf. Du warst wie ein Engel. So wunderschön. Ich wusste, wenn ich dich beschütze, vor allem Bösen, würde ich dieses Leben mit Leichtigkeit schaffen..."
Weiter kann ich den Brief nicht lesen, denn die Tränen sammeln sich in meinen Augen und verhindern mir die Sicht. Ich lege mich auf das Bett und drücke den Brief an mein Herz. Er war kein Teufel. Nein. Er war der einzige, der mich so liebte wie ich war. Ein letztes Mal sah ich mich um, dann schloss ich die Augen und schlief ein. Schlief meinen ewigen Schlaf.



____________________
Das kommt den alten Mitgliedern sicher bekannt vor und ja. Es ist aus einem Rpg enstanden. Zumindest die Hat das Rpg mir die Inspiration geliefert. Also danke ich diesen Rpg-Schreibern. <3
Und wenn sie euch gefällt, ja? Dann erhalte nicht nur ich den Lob, sondern auch denen, die das Rpg geschrieben haben. Auch wenn ich nicht mehr weiß, wer das war. Drop
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Zuchi
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BeitragThema: Re: Wir sind anders. Schlechter.   Di Feb 07, 2012 12:52 am

Oh mein Gott. Das ist echt emotional. Die Geschichte fesselnd einen und man hat immer ein Bild im Kopf. Es hat ein Thema. Respekt. Auch wenn es nur ein One-Shot ist, so ist es doch richtig schön. Es wirft ein ganz anderes Bild auf "unsere" Seite der Welt. Auf die "perfekte" Seite. Jeder der auch nur einen Fehler hat, wird meistens ausgegrenzt. Gut zu sehen bei Behinderten. Viele machen diese Menschen nur runter. Und warum? Darauf haben sie nie eine Antwort. Aber genug davon.
Schöner Schreibstil. Gefällt mir. :D

___________________________________________________
Gott ist tot,
Nach ihm wird nicht mehr gesucht,
Wir sind zum ewigen Leben verflucht,
Es zieht uns mehr zur Sonne, doch wir fürchten das Licht,
Wir glauben nur Lügen, Verachten Verzicht,
Was wir nicht hassen, das lieben wir nicht.
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Vampirmädchen
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BeitragThema: Re: Wir sind anders. Schlechter.   Di Feb 07, 2012 1:28 am

Danke sehr. =D
Fehler sind toll, finde ich.^^
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BeitragThema: Re: Wir sind anders. Schlechter.   

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